Im Anschlussnebel des Grauens

Irgendwie habe ich es dann doch schon lange vermutet, beim deutschen Fernsehen wird tatsächlich getrickst. Die Variationen des Donauwetters sind unbegrenzt, die Produktionszeit ist es leider nicht, den findigen Filmemacher bringt das jedoch nicht aus der Ruhe. Die Bedeutung zeitlicher Abläufe wird plötzlich relativ, es wird vorher, nachher oder doch später gedreht.

Zwischen den Drehs: Nur Till bleibt still

Vor einer Szene informiert der visionäre Regisseur alle Beteiligten über seine private Logik: „Also, wir drehen jetzt die Einstellung, wie die Protagonisten aufstehen und aus dem Zelt kommen. Heute Abend drehen wir das Ankommen und den Zeltaufbau an dieser Stelle, was im Film ja dann gestern ist. Die Sachen, die wir gestern gemacht haben spielen dann später.“ Aha. Jetzt heißt es scharf nachdenken. Heute Nachmittag werden wir also diesen schönen Platz am Donauufer entdecken und unser Lager aufschlagen. Paradoxerweise sind wir jetzt aber schon genau hier aufgewacht und werden gleich weiter paddeln. So in 2 bis 3 Stunden kommen wir in eine Gegend, die wir gestern schon durchquert haben.
Daraus ergeben sich ja durchaus einige Fragen. Beispielsweise: Was werden wir gestern erlebt haben. Oder: An welcher Stelle werden wir am Vorabend das Zelt aufgebaut haben. Entsprechend spekulativ können dann die Dialoge der Darsteller ausfallen: „Willst du den ungarischen Ziegenkäse zum Frühstück?“ Kurze Pause. „Ach ne, geht ja nicht. Den haben wir ja heute schon zum Abendessen gehabt. Werden.“

Zwischen den Einstellungen muss man ständig die Bekleidung bedenken – auch biophysische Prozesse wie den fortschreitenden Bartwuchs gilt es umzukehren. Aber die Sache hat viel Gutes. Heute Morgen haben wir den ungarischen Akazienhonig zum Anschlusshonig erklärt. Dies bedeutet, dass jetzt nur noch die Darsteller dass flüssige Gold vor der Kamera konsumieren dürfen. Neigt sich das Glas dem Ende zu, fordere ich einfach einen Nachdreh einer früheren Frühstücksszene, dann ist das Honigglas wieder voll. Alles andere wäre absolut unlogisch.

Hat immer die richtigen Klamotten an: Die Flicka

Hat immer die richtigen Klamotten an: Die Flicka

P.S.: Und jetzt kommt was, was Fernsehmacher besonders mögen: Nachrichten an die Lieben daheim. Also: Mutti und Papa, uns geht es gut, viele Grüße von der ungarischen Donau senden eure beiden Lieblingssöhne.

Der Donau-Scheich

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About Donaut Niels

... gibt es eben auf www.cold-nose.de

One response to “Im Anschlussnebel des Grauens”

  1. volker says :

    Die Monstamovieproduktionen werden immer komplexer, scheint mir. Zeit und Raum sind nicht nur relativ, sondern sogar ziemlich. Ziemlich durcheinander. Wann ist die Donauserie eigentlich im Fernsehen gelaufen? Kann man sie noch in der 3sat-Mediathek sehen?

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