Am Ende ist der Himmel immer blau und es gibt kein Salz

Johnny Cash ist tot, darum kann er kein Lied über die Traurigkeit schreiben, die ein vergessener Strand in Rumänien auslöst. Marilyn Monroe ist auch tot, darum singt und tanzt sie nicht für uns, wenn wir fern der Heimat für unser Schlaaand, den Weltfrieden und ein besseres TV-Programm kämpfen.

Alte Verteidigungsanlage, auch Kinderrutsche genannt

Last man standing

Küchen-Polka am Strand

Donauten-Polka am Strand

Wir sind am Ende – und am Anfang. Das Meer, das Schwarze – ist mit einemmal da. Sand raschelt und rieselt sanft. Der warme, klebrige Wind fährt uns durch die noch klebrigeren Haare. Der glitzernde Strandstaub bleibt in unseren bodenlangen Bärten hängen. Einige von uns fallen auf die Knie und beten wirr und mit fremden Zungen zu ihren Göttern, weinen und schreien.

Hier muss Niels mal wieder weinen, jemand hat ihm seine Kuscheldecke weggenommen

Ja, sie leben noch. Der Kampf Jahr um Jahr konnte sie nicht in die Knie zwingen. Ihre Kinder wurden zu Hause geboren, gingen zur Schule, heirateten und bekamen wiederum Kinder. Vergessen ist der Mann und die Mutter – die weit draußen in der Wildnis einer unbarmherzigen Welt für die Puppenstube, den Kleinwagen und Mittelschichts-TV streiten. Streiten für einen klaren Himmel, für das sanfte Kling-Klong des Windspiels am Kinderzimmerfenster. Wahre Helden sind wir und wollen doch keine sein. Nein – lasst ab, wir wollen keine Dankbarkeit. Wenn dich das Leben zum Helden macht, quält es dich nicht mit Begehrlichkeiten. Es reicht dir das zerknitterte vom Kugelhagel durchsiebte Bild deiner Lieblingskuh Hilde, obwohl du weißt, dass sie schon lange Wurst ist.

Fluchtsprint vom Set - mein täglicher Sport

Das Licht gleißt. Die alten, deutschen Bunker am Strand liegen verlassen und ein Reiher äugt rechts, links, rechts über das Schilf. Ein träges Windrad quietscht vor sich hin. Die Muschelschalen knirschen unter unseren abgetragenen Stiefeln. Wieviele tausend Kilometer haben deren Sohlen gesehen – und immer mit dem Gesicht voran in den Staub, Matsch, Beton und Dornenkraut. Sie tragen uns weiter, schmatzend erreichen sie das Wasser. Das große Wasser mit dem riesigen in der Hitze flimmernden Unbekanntem dahinter. Sollen wir weiter gehen? Die Welt hat uns vergessen und wir können auch nicht mehr mit dieser Welt. Wir gehören einer anderen Spezies an. WIR SIND DONAUTEN.

Die Deltaforce in zivil - Strand gesichert, keine Gefangenen

Lebt wohl, ihr da in der Ferne bei Kaffee und Kuchen, bei Bier und Fussball. Unser Weg ist nicht der Eure – aber wir sehen uns wieder. Im Paradies, Walhalla, im Nirwana, bei Petrus oder bei 3sat im Late-Night Programm, voraussichtlich Ende des Jahres.

Das schwarze Kreuz ist der heilige Zwergenregisseur mit der LOMO

PS: Das Schwarze Meer ist nicht salzig, zumindest am Donaudelta nicht. Schade.

Lutze

PPS: Zum Thema: Sinnerfüllt Leben…

Das dussligste Insekt der Welt - Geboren um Protein für Möwen zu sein, aber immerhin hat es eine Aufgabe, was man von einem Großteil der Leute nicht sagen kann. Aber vielleicht werden die Möwen irgendwann größer und fallen über den Prenzelberg her. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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About monstachief

Intro: Berlin || Filmemacher Dies und Das: || Berlin Beruf: Autor || Regisseur MonstaMovies Filmproduktion Berlin GmbH Seelower Strasse 5 | Fabrikgebäude HH 4.OG 10439 Berlin :: http://monstamovies.com -------------------------------------------------------------------------------

5 responses to “Am Ende ist der Himmel immer blau und es gibt kein Salz”

  1. Donaut Niels says :

    Nein, es war nicht der Verlust der Kuscheldecke der mich zu Tränen rührte – diese wärmt nun eine rumänische Kuh, welche wir gemeinsam vor dem Ertrinken im Schwarzen Meer und einer schleichenden Hypothermie retteten. Vielmehr die leise Vorahnung an diesen warmherzigen Beitrag über das Ende einer verrückten Reise, ein pre-postdonautisches Stimmungstief (wenn man so will) drückte auf meine eingerostete Tränendrüse. Ob man will oder nicht, da wird man ja doch ganz schön sentimental. Aus Anschlussgründen auch schon mal vor dem eigentlichen Ende der Reise.

    Und damit schließt sich ein verwirrender Kreis:

    https://donauten.wordpress.com/2010/05/12/im-anschlussnebel-des-grauens/

    Oder anders formuliert: Die vorgezogene Trauer um das Wissen eines Endes fällt keinem auf, im Schnitt macht Vanessa sowieso was sie will. Und das sieht dann auch noch gut aus. Heute also schon mal den Untergang des Abendlandes kurz bedauern, dann brauch man sich später damit nicht aufhalten.

    Und noch etwas: Haste jut jeschrieben, Lutze. Besonders den Teil mit den Möwen. Auch filmisch durchaus interessant. Iss ja auch viel glaubwürdiger als dieser ganze Frank-Schätzing-Schwarm-Kram.

  2. Quadratmeterkoch says :

    Mein liebgewonnener „Axt im Wald“ Lutz, schön Deine Zeilen zu lesen. Du hast Talent. Solltest Du vielleicht ausbauen und dann vom Skript zum Drehbuchschreiben zu einem der größten Dokumentarregiesseure werden. Genug Erfahrungen mit außergewöhnlichen Produktionen hast Du nun gesammelt. Voran Pionier, laßt uns Fernsehen machen welches nicht verdummen läßt.
    In diesem Sinne.

    Der derzeit wieder Großküchenkoch

    • monstachief says :

      Na endlich sieht einer mal mein wahres Wesen. Quadratmeterkoch ist eigentlich auch ein geiler T-Shirt-Aufdruck…

  3. cheffiete says :

    Mein Lieber, dass dachte ich mir gestern, nach Fertigstellung des Kommentars, auch und gestaltete was das Zeug hielt.

    Anbei die Adresse wo Du es bestellen kannst. (nein, ich hab so eins noch nicht und am 27. April ist dann auch schon wieder Geburtstag)

    http://verwirrunginworten.spreadshirt.de/quadratmeterkoch-shirt-male-A13124389/customize/color/41

    Aber nicht gleich 2000 bestellen, sonst kommen die armen Kinder nicht mit dem Aufbügeln hinterher.

    ;-)

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