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Die Donauten im 4-Seasons-Magazin

http://www.4-seasons.de/magazinartikel/online-spezial-die-donau-im-kanu

Lutze

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Zwei Frankfurter Würstchen

Wir biegen langsam auf die Zielgerade ein. Nun ist es auch für die allgemeine deutsche Fernsehöffentlichkeit raus:

Bärtige Donauten drehen mit schlechtfrisierten Regisseuren, umstürzlerische und subversive Fernsehwerke und sind dabei so dreist sich auf internationale Buchmessen zu schummeln.

Hier die drei Gründe für die diesjährige Buchmesse

Ja, wir waren da und haben der Donauten großes Bildwerk vorgestellt, das filmisch-digitale und das druckreif-papierene Werk. Beides erstmals zu erleben ab dem 9. Dezember  2010, wie ihr natürlich alle schon wisst (Und sämtliche Arbeit, Termine und Beziehungsangelegenheiten für diesen Tag und die folgenden zwei Sendewochen schon abgesagt habt).

Tausende Groupies aller Altersgruppen erwarten unser Erscheinen

Wie man hier sieht, konnten wir uns nur mit großer Not und abgeschirmt durch Hundertschaften vierschrötiger Ledernacken dem kreischenden, sexuellen Zugriffen tausender Groupies entziehen. Es ist hart ein Sexsymbol zu sein. Niels und ich kennen das aber zur Genüge und haben in den letzten 75 Jahren damit umgehen gelernt. Kaum jemand war da um sich Bücher anzuschauen, alle warteten auf den Moment unseres Eintreffen.

Niels „Big Dong Justin“ Hoffmann
Lutz „Virgins Death“ Neumann

Es gelang uns unbemerkt über die Tiefgarage, durch das Treppenhaus in die Maske von 3sat zu entwischen. Die Maskenbildnerinnen waren so aufgeregt bei unserem Erscheinen, dass sie reihenweise in Ohnmacht fielen und ich so mit einer nicht professionell überarbeiteten hippen Berlin-Mitte-Frisur auf der Couch im Studio Platz nehmen durfte, wo ich mich und Niels dann kurzer Hand, nur Sekunden vor der Live-Schalte mit Erdnussbutter schminkte. Wir wären aber nicht die Donauten, würde uns dieser Trubel tangieren.

Erst seit 15 Jahren Moderator – Jungspund Grandits

Ganz anders Herr Grandits, Bei seinen nur knappen 15 Jahren Kulturzeitmoderationserfahrung übertrug sich die exzessive Stimmung des Saales komplett auf ihn, aber auch er wird – später in unserem Alter – über diese Anfangsschwächen lächeln können.

Die Barriere aus Elitesoldaten hielt eine knappe viertel Stunde, dann schwemmte es uns hinaus auf den großen Messeplatz, wo wir erschöpft als Manga-Figuren verkleidet in der Masse untertauchen konnten.

Personenschutzbeauftragter Tom „The Knife“ Aures und der Zwergenregisseur

Lutze

Hier wird nicht nur gepaddelt…

…hier wird auch ein hammermäßiger Soundtrack geschmiedet. Nachdem jetzt die Donauten ihre Photoreise beendet haben, werden sie bei der Heimkehr ein fast fertigen Film vorfinden. Unteranderem auch eine fast fertige Musik. Seit einigen Wochen sind die Musiker Johannes Lehniger und Holger Schuhmann am Komponieren, Einspielen und Arangieren. Da so ziemlich alles mit echten Instrumenten geschieht, haben sie auch des öfteren Gäste  im Studio, wie auf den Bildern zu sehen ist, in dem Fall Steffen Zimmer (Trompete und Flügelhorn, was auch immer das ist) und Max Hacker (Klarinette, Flöte und Saxophon). Ansonsten werden wir später im Film zu hören bekommen: Moe Jaksch (Zither, aber hallo), Doreen Kutzke (Jodeln, jaaaaahhh), Lucio Amanti (Cello), Judith Lehniger (Violine), Johannes Feige (Gitarre), Chris Dehler (Percussions, da sind auf jeden Fall sehr lustige Dinger dabei) und das Ensemble Polynushka (wenn es klappt). Zu hören gibt es hier noch nichts, das ist geheim, guckt lieber im Dezember Fernsehen (nachdem ihr euch ein paar vernünftige Lautsprecher gekauft habt), wenn die Donauten auf 3sat loslegen.

psssst ! Musiker am Werk

Lutze

Es war einmal … Noch nicht der Film, aber …

… ein Donaut und sein kleiner Bruder. Die hatten sich im großen Schwarzen Wald verlaufen, weil sie einen Fluß suchten. Sie liefen und liefen bis ihnen die kleinen Füße wehtaten, denn sie hatten keine Schuhe. Die beiden Brüder waren so arm, das sie nur ein Haus aus Stoff hatten. Das war soooo winzig, dass sie nur abwechselnd darin schlafen konnten und später gar nicht mehr. Eine verwunschene Prinzessin in der Gestalt einer weißen Wölfin besetzte von nun an das Haus und biss jeden in den Arsch , der zu nahe an die Behausung herantreten wollte. Die beiden Brüder fassten einen Plan: Sie wollten solange den Fluß (wenn sie ihn den jemals finden sollten) auf einem hohlen Baumstamm herunterfahren, bis sie an das große Meer kommen würden. Die Alten in ihrem Heimatdorf berichteten nämlich, dass an dem großen Meer, hinter den sieben Bergen, der Strand aus purem Golde sei und jeder sich davon soviel nehmen könne, wie er tragen kann. Gesagt getan…

PS: Das ist eine, der Millionen von „Deleted Scenes“, die wir Euch aber nicht vorenthalten wollen – auf den richtigen Film müsst ihr schon noch ein bissel warten. Ich kenne aber schon den Rohschnitt und ich sage Euch …

Am Ende ist der Himmel immer blau und es gibt kein Salz

Johnny Cash ist tot, darum kann er kein Lied über die Traurigkeit schreiben, die ein vergessener Strand in Rumänien auslöst. Marilyn Monroe ist auch tot, darum singt und tanzt sie nicht für uns, wenn wir fern der Heimat für unser Schlaaand, den Weltfrieden und ein besseres TV-Programm kämpfen.

Alte Verteidigungsanlage, auch Kinderrutsche genannt

Last man standing

Küchen-Polka am Strand

Donauten-Polka am Strand

Wir sind am Ende – und am Anfang. Das Meer, das Schwarze – ist mit einemmal da. Sand raschelt und rieselt sanft. Der warme, klebrige Wind fährt uns durch die noch klebrigeren Haare. Der glitzernde Strandstaub bleibt in unseren bodenlangen Bärten hängen. Einige von uns fallen auf die Knie und beten wirr und mit fremden Zungen zu ihren Göttern, weinen und schreien.

Hier muss Niels mal wieder weinen, jemand hat ihm seine Kuscheldecke weggenommen

Ja, sie leben noch. Der Kampf Jahr um Jahr konnte sie nicht in die Knie zwingen. Ihre Kinder wurden zu Hause geboren, gingen zur Schule, heirateten und bekamen wiederum Kinder. Vergessen ist der Mann und die Mutter – die weit draußen in der Wildnis einer unbarmherzigen Welt für die Puppenstube, den Kleinwagen und Mittelschichts-TV streiten. Streiten für einen klaren Himmel, für das sanfte Kling-Klong des Windspiels am Kinderzimmerfenster. Wahre Helden sind wir und wollen doch keine sein. Nein – lasst ab, wir wollen keine Dankbarkeit. Wenn dich das Leben zum Helden macht, quält es dich nicht mit Begehrlichkeiten. Es reicht dir das zerknitterte vom Kugelhagel durchsiebte Bild deiner Lieblingskuh Hilde, obwohl du weißt, dass sie schon lange Wurst ist.

Fluchtsprint vom Set - mein täglicher Sport

Das Licht gleißt. Die alten, deutschen Bunker am Strand liegen verlassen und ein Reiher äugt rechts, links, rechts über das Schilf. Ein träges Windrad quietscht vor sich hin. Die Muschelschalen knirschen unter unseren abgetragenen Stiefeln. Wieviele tausend Kilometer haben deren Sohlen gesehen – und immer mit dem Gesicht voran in den Staub, Matsch, Beton und Dornenkraut. Sie tragen uns weiter, schmatzend erreichen sie das Wasser. Das große Wasser mit dem riesigen in der Hitze flimmernden Unbekanntem dahinter. Sollen wir weiter gehen? Die Welt hat uns vergessen und wir können auch nicht mehr mit dieser Welt. Wir gehören einer anderen Spezies an. WIR SIND DONAUTEN.

Die Deltaforce in zivil - Strand gesichert, keine Gefangenen

Lebt wohl, ihr da in der Ferne bei Kaffee und Kuchen, bei Bier und Fussball. Unser Weg ist nicht der Eure – aber wir sehen uns wieder. Im Paradies, Walhalla, im Nirwana, bei Petrus oder bei 3sat im Late-Night Programm, voraussichtlich Ende des Jahres.

Das schwarze Kreuz ist der heilige Zwergenregisseur mit der LOMO

PS: Das Schwarze Meer ist nicht salzig, zumindest am Donaudelta nicht. Schade.

Lutze

PPS: Zum Thema: Sinnerfüllt Leben…

Das dussligste Insekt der Welt - Geboren um Protein für Möwen zu sein, aber immerhin hat es eine Aufgabe, was man von einem Großteil der Leute nicht sagen kann. Aber vielleicht werden die Möwen irgendwann größer und fallen über den Prenzelberg her. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Die Deltaforce und der freundliche Zufall

Pläne sind  dazu da verworfen zu werden, oder sich in andere zu transformieren. Eine Entscheidung führt an des Weges Scheide gern zu einem tiefen Wald, der sich später als dunkler Vorhof zu einer gleißenden Lichtung erweist. Am Ende ist ein Licht. Sonnenbeschienen, bienenumschwirrt, flirrend.
Rotkäppchen, mittlererweile volljährig läuft in Super-Slomotion mit wehenden güldenen Haaren, sich das Leibchen vom perfekten Körper reißend, den Boden kaum berührend über Butterblümchen und saftiges Gras hin zum Bösen Wolf. Der da nie ein Böser war, sondern nur ein verliebter Schwerenöter, mit Wackersteinen von perversen Jägern malträtiert. Aus dem dunklen Brunnen empor, den schlecht geflickten Bauch aufgerissen kehrt er zurück an das Tageslicht und schwört Rache an allem was klein, rot, scheiße wohlerzogen und dummdreist ist…

Nicht jeder einsame Wolf ist auch ein Böser Wolf

Ich wollte eigentlich nur darauf hinaus, dass wir all unsere Pläne bezüglich des Deltas umschmeissen mussten, da Sulina, gleich der Quelle der Donau ziemlich uninteressant ist. Man denkt da sonst was, und dann hört der Fluß einfach nicht auf, sondern wird zu einer künstlichen Zusammenführung von Binnen- und Meeresgewässer. Touristisch stark geprägt, kam beim Recherchebesuch ein säuerlicher Aufstossen hinzu (wahrscheinlich vom stundenlangen Schlauchbootgeeiere), dass selbst durch einen gepflegt verrosteten Leuchtturm nicht mehr wettgemacht werden konnte. Der Sulina-Kanal ist zu lang, zu wellig zu häßlich und das Schwarze Meer kann nur durch eine fünf Kilometer lange Mole erreicht werden. Filmisch ist das Bockmist. Am Ende muß es inhaltlich noch mal klotzen und nicht kleckern.

Schön, aber nicht schön genug für uns

Aber ein Delta sein, heißt eben auch mehrere Arme haben. Also ziemlich flink den Sfantu-Georghe-Arm runtergefahren. Sturm, Regen, Kotzgeschaukel im Speedboot. Das Dorf in dem wir dann ankommen – grau, matschig – wird später eine riesige Marschlandschaft. Kein Meer zu sehen, nur doofe Ochsen, die uns vor die Füße kacken. Schrecklich nasse Streuner, die sich fetzen – na super. Was sollen wir tun? Beide Auslässe der Donau scheinen gleichsam Grütze zu sein – was war doch gleich mit der Ukraine?
Aber dann kommt der blinde, übergewichtige Zufall, vom ständig telefonierenden Pragmatismus an der schwieligen, zerarbeiteten Hand geführt daher und spricht mit von Zigaretten und Goldkrone gebeizter Stimme:

„Mei Jutster, endspann dir ma – fah erschd ma im Deldah und den Seitenarmen rum, wah. Des Ende zu deim Gej-Ejh-Zedd-finansierdn Machwerk kannsde auch am richdschen Schluss der Reihse drehn – gronologsch bleim und nich heddzen is Moddo. Azähl mir ma nüschd vom Dreeverzuch. Ahles wird judd, meen Kleener.“

– Das sagst du. Du bist der Zufall, du kannst ja quasi nicht lügen, weil es dann Zufall wäre. Fein raus biste damit!

„Stümmt, du Zwerjenreschissör, aba ne Wahl hasde och nich. Wie im Osten dasumals. Dess siehd swar bahsisdemokradsch aus, is aber Beschiss un stingd.“

– Stinkt?

„Jebb.“

Der Zufall führte dazu, da sich die heldenhafte Deltaforce, die Pelicases-schnappte, die Kameras durchludt, sich Tarnfarbe ins Gesicht schmierte, gemeinsam Rambo I bis XII guckte, Testamente aufsetze, den Lieben zu Hause ein „Wartet nicht auf mich“ per SMS sendete und daraufhin todesverachtend mit Kanu und Floß losschipperte. Erst im Regen, später von Sonne, dem Treffen auf interessante Menschen und Hammer-Bildern in der grünen, feuchten Hölle belohnt, kämpfte sich die Eliteeinheit durch des Zufalls Drehplan.

Psycho-Delta-Odlo

Delta-Buff Sergant

Delta-Buff Sergant

Deltaforce Captain Nielsen

Killer Princess

Deltaforce Colonel Mister Winter

Sniper-Bitch

Deltaforce Observation Larsen

Tommy-Gun-Tom

Deltaforce Private Newman and Railgun-Kerstin

„Jehd doch ihr Gnalldüden!

Sfantu Georghe ist dann doch der Donau wahres Ende – aber dazu später.

Lutze

PS: Drehorte werden bei mir nach Fahrzeugen ausgesucht, das ist der östlichste LKW der EU.

...

Klingt wie Mundwasser, ist aber Rumänien

Murighiol – Dorf der Durchsteher, Planhaber und Indiezukunftschauer. Murighiol ist das letzte Dorf der EU, welches mit dem Auto zu erreichen ist. Um das zu gewährleisten gibt es auch eine Neue davon, eine neue Strasse meine ich. Ein Traum von einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, wie es seinesgleichen nicht woanders  zu finden sein wird.

Den Kleenen hat der Postmann gemacht (Sohn der Postfrau in Victoria) knipst sich selber mit der G11

Was in Bulgarien den alten Puff schmiert (der Spruch ist von einem Bulgaren, nicht von mir) kommt in Rumänien augenscheinlich in großen Teilen an. In Bestepe, in Malcoci, Victoria und Mahmudia wird gepflastert, geschaufelt und geteert, das es einen den Lipowanerbart kräuselt. Die allgegenwärtige EU-Flagge mit seinen 12 Sternchen meint zwar auch die 2007 beigetretenen Rumänen, zeigt sie aber nicht in Gold vor Blau.

Quasi das / der Missing Link zwischen Kutsche und Auto

Mythologisch können sich die orthodoxen Donauanrainer zwar auf den Heiligenschein Marias berufen, den man mit viel Phantasie in dem Sternenkranz sehen mag, aber ansonsten geht es um Kohle, Verbundpflaster (was nicht verbunden wird), Schaufeln und Komatsu-Bagger. Die Piste die sich nun von Tulcea (dem kabbeligen Tor zum Delta) bis Murighiol zieht ist schwarz, glatt und flimmert in der Mittagshitze der erbarmungslos hinreißenden Landschaft.

Besser als unser Fiat Ducato, nur nicht in Silber

Murighiol sollte der Startpunkt unserer Deltaerkundungen sein und er wurde es. Für Kanu und Floß gibt es Einlaßstellen, die von streunenden Hunden und getarnfleckten Anglern frequentiert werden. Hier zeigt man, was man hat, kratzt sich dabei die Eier und deutet auf den 225 PS-Yamaha der an einem Plastikkahn klemmt, wie ein fette Zecke an einem Hamster.

Mitdemabenbeinhund und Mitdenabenarschlutz

Sackkratzer Benitio del Torro und Tavi unser Wirt und Übersetzer

Tavi sieht aus wie ein Ire hat in Irland gearbeitet und ist doch seinem rumänischem Dorf samt seiner frühreifen Cousinenhorde treu geblieben. Mit knapp Hundertausend erfließten und ermauerten Euros kam er nach fünf Jahren aus der kühlen, nordischen Ferne zurück und klotzte sich seinen Traum von einem Feriendorf an die Ausläufer des Sfantu Georghe-Arms der Donau. Das sechshäusige Dörfchen ist reetgedeckt und diente uns als Homebase für die letzten 10 Tage unserer Drehzeit.

Sabine hat nen Vogel

Oft waren wir nicht da, aber Vanessa, Hajo und Martin hielten die Stellung, während wir als Nahrungsquelle erst für Mücken und später für Flöhe im Outback dienten.

Schilfläuse bekommt man wenn Tank bei Boot leer und Bremse kaputt

Über das Delta schreibe ich morgen, jetzt brauche ich erst mal die rumänischen 24 Stunden Karenz um mit der Tatsache klarzukommen, dass es morgen auf die zweitägige Heimreise geht, Kilometerfressen, Staubschlucken und fossile Brennstoffe vergeuden. Ahoi und bis später. Drum Bun.

Lutze

Sabine regt sich immer auf das es keine Bilder von ihr beim Arbeiten gibt, ...aber man sieht sie dabei auch nicht, versteckt hinter Sucher und Schulter - selber Schuld hätte sie Tonfrau werden sollen