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Am Ende ist der Himmel immer blau und es gibt kein Salz

Johnny Cash ist tot, darum kann er kein Lied über die Traurigkeit schreiben, die ein vergessener Strand in Rumänien auslöst. Marilyn Monroe ist auch tot, darum singt und tanzt sie nicht für uns, wenn wir fern der Heimat für unser Schlaaand, den Weltfrieden und ein besseres TV-Programm kämpfen.

Alte Verteidigungsanlage, auch Kinderrutsche genannt

Last man standing

Küchen-Polka am Strand

Donauten-Polka am Strand

Wir sind am Ende – und am Anfang. Das Meer, das Schwarze – ist mit einemmal da. Sand raschelt und rieselt sanft. Der warme, klebrige Wind fährt uns durch die noch klebrigeren Haare. Der glitzernde Strandstaub bleibt in unseren bodenlangen Bärten hängen. Einige von uns fallen auf die Knie und beten wirr und mit fremden Zungen zu ihren Göttern, weinen und schreien.

Hier muss Niels mal wieder weinen, jemand hat ihm seine Kuscheldecke weggenommen

Ja, sie leben noch. Der Kampf Jahr um Jahr konnte sie nicht in die Knie zwingen. Ihre Kinder wurden zu Hause geboren, gingen zur Schule, heirateten und bekamen wiederum Kinder. Vergessen ist der Mann und die Mutter – die weit draußen in der Wildnis einer unbarmherzigen Welt für die Puppenstube, den Kleinwagen und Mittelschichts-TV streiten. Streiten für einen klaren Himmel, für das sanfte Kling-Klong des Windspiels am Kinderzimmerfenster. Wahre Helden sind wir und wollen doch keine sein. Nein – lasst ab, wir wollen keine Dankbarkeit. Wenn dich das Leben zum Helden macht, quält es dich nicht mit Begehrlichkeiten. Es reicht dir das zerknitterte vom Kugelhagel durchsiebte Bild deiner Lieblingskuh Hilde, obwohl du weißt, dass sie schon lange Wurst ist.

Fluchtsprint vom Set - mein täglicher Sport

Das Licht gleißt. Die alten, deutschen Bunker am Strand liegen verlassen und ein Reiher äugt rechts, links, rechts über das Schilf. Ein träges Windrad quietscht vor sich hin. Die Muschelschalen knirschen unter unseren abgetragenen Stiefeln. Wieviele tausend Kilometer haben deren Sohlen gesehen – und immer mit dem Gesicht voran in den Staub, Matsch, Beton und Dornenkraut. Sie tragen uns weiter, schmatzend erreichen sie das Wasser. Das große Wasser mit dem riesigen in der Hitze flimmernden Unbekanntem dahinter. Sollen wir weiter gehen? Die Welt hat uns vergessen und wir können auch nicht mehr mit dieser Welt. Wir gehören einer anderen Spezies an. WIR SIND DONAUTEN.

Die Deltaforce in zivil - Strand gesichert, keine Gefangenen

Lebt wohl, ihr da in der Ferne bei Kaffee und Kuchen, bei Bier und Fussball. Unser Weg ist nicht der Eure – aber wir sehen uns wieder. Im Paradies, Walhalla, im Nirwana, bei Petrus oder bei 3sat im Late-Night Programm, voraussichtlich Ende des Jahres.

Das schwarze Kreuz ist der heilige Zwergenregisseur mit der LOMO

PS: Das Schwarze Meer ist nicht salzig, zumindest am Donaudelta nicht. Schade.

Lutze

PPS: Zum Thema: Sinnerfüllt Leben…

Das dussligste Insekt der Welt - Geboren um Protein für Möwen zu sein, aber immerhin hat es eine Aufgabe, was man von einem Großteil der Leute nicht sagen kann. Aber vielleicht werden die Möwen irgendwann größer und fallen über den Prenzelberg her. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Die Deltaforce und der freundliche Zufall

Pläne sind  dazu da verworfen zu werden, oder sich in andere zu transformieren. Eine Entscheidung führt an des Weges Scheide gern zu einem tiefen Wald, der sich später als dunkler Vorhof zu einer gleißenden Lichtung erweist. Am Ende ist ein Licht. Sonnenbeschienen, bienenumschwirrt, flirrend.
Rotkäppchen, mittlererweile volljährig läuft in Super-Slomotion mit wehenden güldenen Haaren, sich das Leibchen vom perfekten Körper reißend, den Boden kaum berührend über Butterblümchen und saftiges Gras hin zum Bösen Wolf. Der da nie ein Böser war, sondern nur ein verliebter Schwerenöter, mit Wackersteinen von perversen Jägern malträtiert. Aus dem dunklen Brunnen empor, den schlecht geflickten Bauch aufgerissen kehrt er zurück an das Tageslicht und schwört Rache an allem was klein, rot, scheiße wohlerzogen und dummdreist ist…

Nicht jeder einsame Wolf ist auch ein Böser Wolf

Ich wollte eigentlich nur darauf hinaus, dass wir all unsere Pläne bezüglich des Deltas umschmeissen mussten, da Sulina, gleich der Quelle der Donau ziemlich uninteressant ist. Man denkt da sonst was, und dann hört der Fluß einfach nicht auf, sondern wird zu einer künstlichen Zusammenführung von Binnen- und Meeresgewässer. Touristisch stark geprägt, kam beim Recherchebesuch ein säuerlicher Aufstossen hinzu (wahrscheinlich vom stundenlangen Schlauchbootgeeiere), dass selbst durch einen gepflegt verrosteten Leuchtturm nicht mehr wettgemacht werden konnte. Der Sulina-Kanal ist zu lang, zu wellig zu häßlich und das Schwarze Meer kann nur durch eine fünf Kilometer lange Mole erreicht werden. Filmisch ist das Bockmist. Am Ende muß es inhaltlich noch mal klotzen und nicht kleckern.

Schön, aber nicht schön genug für uns

Aber ein Delta sein, heißt eben auch mehrere Arme haben. Also ziemlich flink den Sfantu-Georghe-Arm runtergefahren. Sturm, Regen, Kotzgeschaukel im Speedboot. Das Dorf in dem wir dann ankommen – grau, matschig – wird später eine riesige Marschlandschaft. Kein Meer zu sehen, nur doofe Ochsen, die uns vor die Füße kacken. Schrecklich nasse Streuner, die sich fetzen – na super. Was sollen wir tun? Beide Auslässe der Donau scheinen gleichsam Grütze zu sein – was war doch gleich mit der Ukraine?
Aber dann kommt der blinde, übergewichtige Zufall, vom ständig telefonierenden Pragmatismus an der schwieligen, zerarbeiteten Hand geführt daher und spricht mit von Zigaretten und Goldkrone gebeizter Stimme:

„Mei Jutster, endspann dir ma – fah erschd ma im Deldah und den Seitenarmen rum, wah. Des Ende zu deim Gej-Ejh-Zedd-finansierdn Machwerk kannsde auch am richdschen Schluss der Reihse drehn – gronologsch bleim und nich heddzen is Moddo. Azähl mir ma nüschd vom Dreeverzuch. Ahles wird judd, meen Kleener.“

– Das sagst du. Du bist der Zufall, du kannst ja quasi nicht lügen, weil es dann Zufall wäre. Fein raus biste damit!

„Stümmt, du Zwerjenreschissör, aba ne Wahl hasde och nich. Wie im Osten dasumals. Dess siehd swar bahsisdemokradsch aus, is aber Beschiss un stingd.“

– Stinkt?

„Jebb.“

Der Zufall führte dazu, da sich die heldenhafte Deltaforce, die Pelicases-schnappte, die Kameras durchludt, sich Tarnfarbe ins Gesicht schmierte, gemeinsam Rambo I bis XII guckte, Testamente aufsetze, den Lieben zu Hause ein „Wartet nicht auf mich“ per SMS sendete und daraufhin todesverachtend mit Kanu und Floß losschipperte. Erst im Regen, später von Sonne, dem Treffen auf interessante Menschen und Hammer-Bildern in der grünen, feuchten Hölle belohnt, kämpfte sich die Eliteeinheit durch des Zufalls Drehplan.

Psycho-Delta-Odlo

Delta-Buff Sergant

Delta-Buff Sergant

Deltaforce Captain Nielsen

Killer Princess

Deltaforce Colonel Mister Winter

Sniper-Bitch

Deltaforce Observation Larsen

Tommy-Gun-Tom

Deltaforce Private Newman and Railgun-Kerstin

„Jehd doch ihr Gnalldüden!

Sfantu Georghe ist dann doch der Donau wahres Ende – aber dazu später.

Lutze

PS: Drehorte werden bei mir nach Fahrzeugen ausgesucht, das ist der östlichste LKW der EU.

...

Klingt wie Mundwasser, ist aber Rumänien

Murighiol – Dorf der Durchsteher, Planhaber und Indiezukunftschauer. Murighiol ist das letzte Dorf der EU, welches mit dem Auto zu erreichen ist. Um das zu gewährleisten gibt es auch eine Neue davon, eine neue Strasse meine ich. Ein Traum von einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, wie es seinesgleichen nicht woanders  zu finden sein wird.

Den Kleenen hat der Postmann gemacht (Sohn der Postfrau in Victoria) knipst sich selber mit der G11

Was in Bulgarien den alten Puff schmiert (der Spruch ist von einem Bulgaren, nicht von mir) kommt in Rumänien augenscheinlich in großen Teilen an. In Bestepe, in Malcoci, Victoria und Mahmudia wird gepflastert, geschaufelt und geteert, das es einen den Lipowanerbart kräuselt. Die allgegenwärtige EU-Flagge mit seinen 12 Sternchen meint zwar auch die 2007 beigetretenen Rumänen, zeigt sie aber nicht in Gold vor Blau.

Quasi das / der Missing Link zwischen Kutsche und Auto

Mythologisch können sich die orthodoxen Donauanrainer zwar auf den Heiligenschein Marias berufen, den man mit viel Phantasie in dem Sternenkranz sehen mag, aber ansonsten geht es um Kohle, Verbundpflaster (was nicht verbunden wird), Schaufeln und Komatsu-Bagger. Die Piste die sich nun von Tulcea (dem kabbeligen Tor zum Delta) bis Murighiol zieht ist schwarz, glatt und flimmert in der Mittagshitze der erbarmungslos hinreißenden Landschaft.

Besser als unser Fiat Ducato, nur nicht in Silber

Murighiol sollte der Startpunkt unserer Deltaerkundungen sein und er wurde es. Für Kanu und Floß gibt es Einlaßstellen, die von streunenden Hunden und getarnfleckten Anglern frequentiert werden. Hier zeigt man, was man hat, kratzt sich dabei die Eier und deutet auf den 225 PS-Yamaha der an einem Plastikkahn klemmt, wie ein fette Zecke an einem Hamster.

Mitdemabenbeinhund und Mitdenabenarschlutz

Sackkratzer Benitio del Torro und Tavi unser Wirt und Übersetzer

Tavi sieht aus wie ein Ire hat in Irland gearbeitet und ist doch seinem rumänischem Dorf samt seiner frühreifen Cousinenhorde treu geblieben. Mit knapp Hundertausend erfließten und ermauerten Euros kam er nach fünf Jahren aus der kühlen, nordischen Ferne zurück und klotzte sich seinen Traum von einem Feriendorf an die Ausläufer des Sfantu Georghe-Arms der Donau. Das sechshäusige Dörfchen ist reetgedeckt und diente uns als Homebase für die letzten 10 Tage unserer Drehzeit.

Sabine hat nen Vogel

Oft waren wir nicht da, aber Vanessa, Hajo und Martin hielten die Stellung, während wir als Nahrungsquelle erst für Mücken und später für Flöhe im Outback dienten.

Schilfläuse bekommt man wenn Tank bei Boot leer und Bremse kaputt

Über das Delta schreibe ich morgen, jetzt brauche ich erst mal die rumänischen 24 Stunden Karenz um mit der Tatsache klarzukommen, dass es morgen auf die zweitägige Heimreise geht, Kilometerfressen, Staubschlucken und fossile Brennstoffe vergeuden. Ahoi und bis später. Drum Bun.

Lutze

Sabine regt sich immer auf das es keine Bilder von ihr beim Arbeiten gibt, ...aber man sieht sie dabei auch nicht, versteckt hinter Sucher und Schulter - selber Schuld hätte sie Tonfrau werden sollen

Atmo läuft, Ruhe Bitte!

Große Donau, kleine Donauten – doch wo ist der Ton?

Mit dem Ton beim Film ist es so eine Sache. Keiner nimmt ihn anfangs so richtig ernst, er ist halt da und soll konserviert werden – denn irgendwie wird er am Ende doch gebraucht. Die dafür zuständige Person ist ein Mensch, ausgestattet mit Kabeln, Kopfhörern, Sendern und gepfählten Katzen. Von berufswegen verachtet er grundsätzlich Traktoristen, Rasenmäherpiloten und alle Menschen die für die massive Zunahme des Flugverkehrs gesorgt haben. Denn jene Leute machen ihm das Leben verdammt schwer. Bei uns hört dieser wandelnde Geräuschesammler auf den knappen Namen Till.Wenn alle Einstellungen vor Ort gedreht sind, muss er noch eine zusammenhängende Geräuschkulisse aufzeichnen, die „Atmosphäre“, in Filmsprech recht einfallsreich „Atmo“ genannt. Dieser Prozess sorgt regelmäßig für einen der ganz magischen Momente am Filmset: Der Tonmeister Till bittet um 3 Minuten absolute Ruhe. Damit auch tatsächlich Stille herrscht, verpackt der Produktionsleiter den Wunsch des Kopfhörermanns in einen schnittigen Befehl, ausgerufen in Großbuchstaben und mit drei Ausrufezeichen: „ATMO LÄUFT, RUHE BITTE!!!“

Der Wind raschelt in den Blättern, Jahrhunderte vergehen. Ich schaue in die Landschaft, meine Augen streifen von der schilfbesäumten Donau über weite Wiesen und Felder zum Kamerastativ. An dem steht die Sabine mit nachdenklichem Blick. Sie scheint die letzten Einstellungen nochmal vor ihrem innern Kameraauge flimmern zu lassen. Ihre Gedanken sind nur schwer zu erraten, ich würde mal schätzen, dass die Aufnahmen in denen ich nicht im Bild bin ganz gut geworden sind. Und die von Flicka sicher auch. Das erinnert mich daran mit dem Zweifeln an meiner Qualität als Darsteller fortzufahren. Hatte ich ja fast für fünf Minuten vergessen. Neben der Kamerafrau hat der Herr Regisseur Position bezogen und schaut mit entrücktem Blick Richtung Horizont. Hinter seiner Stirn scheinen verschiedene Überlegungen Purzelbäume zu schlagen, Gedanken überholen sich gegenseitig, es wird gleichzeitig in Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart visioniert. Als er meinen Blick bemerkt, bedenkt er mich mit einem kumpelhaften Augenzwinkern das mir bedeuten soll, dass alles bestens läuft. Nun beginne ich richtig nervös zu werden. Der Tonmann hingegen ist vollkommen in die Klangwelt der Donaulandschaft eingetaucht. Im Hintergrund kündigt sich ein vor Störsignalen nur so vibrierender Güterzug an. Nervöse blicke ich dem Tonmann ins Gesicht. Er kneift jedoch die Augen zusammen, schürzt die Lippen und schafft es so tatsächlich das störende Geräusch zu bannen. Das Störsignal ebbt ab. Ich bin beeindruckt und nicke Lars zu. An dieser Stelle muss wohl Erwähnung finden, dass Tonmann Till ob einer früheren Profession als Comic-Fachverkäufer über seltene Kräfte zu verfügen scheint. Von wegen unnützes Wissen und so. Wer könnte sonst einen wilden Haufen Filmleute von jetzt auf gleich zum bewegungslosen Schweigen verdonnern? Auch seine symbolträchtigen T-Shirts haben stets etwas von der heldenhaften Uniformität überlegener Aussenseiter. Kein anderer verbreitet so viel Stille. Und seine wahrer Name ist Odl…“DANKE!“ ruft Produktionsleiter Martin in meine Überlegungen hinein, die drei Minuten sind um und die Atmo im Kasten. Alle beginnen sich wieder normal zu bewegen, Gespräche werden fortgeführt, der Tag läuft weiter. Verwirrt verharre ich noch einen Moment, tief bewegt und ergriffen soeben Zeuge eines magischen Momentes der Ruhe und Einkehr geworden zu sein. Einen echten Superhelden trifft man nicht gerade jeden Tag. Danke Till.

Tonlos im Klangnebel: Der Till.

Kritische Blick für gute Bilder – die Sabine denkt nach.

Versucht auch das Wetter in den Griff zu bekommen – Lutz an der Sonnenkanone.

Don Plastino und Der Odlo unterwegs im Dienste des Klanges.



Wasserstandsmeldungen Drau-Donau und Supergau

Scheiße. Ja, das muß mal gesagt werden. Die Götter sind tot oder bei der FDP, dort speziell die Wetterzuständigen.  Ich hatte mir vorgenommen nichts mehr über das Wetter zu schreiben. Über das Wetter zu reden heißt: im Allgemeinen nichts zu sagen zu haben.

Ein verhältnismäßig sonniger Tag unserer Reise in Ungarn

Ein verhältnismäßig sonniger Tag unserer Reise in Ungarn

Oft wird auch behauptet: „Das interessiert mich wie eine Wasserstandsmeldung…“. Aber dass darf in diesem Fall sein. Der dicke Regen zieht mit uns. Witzigerweise haben wir immer an den Tagen, an denen wir von einem Drehort zum anderen umsetzen die volle Sonne.

Captain, oh - mein Captain.

Dix und Doof

Das hat die gleiche Wirkung, wie ein Arschtritt am Morgen. Kaum machen wir Anstalten die Kamera auszupacken plattert es los. Zusammengerechnet haben wir von 2,5 Wochen nur vier Tage schönes Wetter auf Platte aufzeichnen können.

Riven, Myst and Ezstergom

Heute waren 7 Grad mit gefühlten 275 km/h Windgeschwindigkeit und waagerechten Regenschauern – das zehrt an den Kräften, aber die Crew hat prima durchgehalten, die Vor-Ort-Protagonisten ebenfalls, die uns für beknackt halten, bei diesem Wetter überhaupt irgendwas zu machen.

Das wolkige Herz Ungarns (Wolkograd)

Zelten light, hell und luftig

Gestern sind wir in ein Hotel in Osijek (Kroatien, das Land der Bösen Minen zum guten Spiel) gezogen um die Klamotten zu trocknen und mal heiß zu duschen, nachdem man / frau bis zur Bikinizone in der Donau rumgestanden hat.

Hier tritt mich die Crew gerade zusammen, weil ich alle KitKats aufgegessen habe

Die Grünen haben bei uns zwei Sitze im Strandtag

Das Wasser ist übrigens wärmer als die Umgebung, ach ja  und Gore-Tex Schuhe lassen das Wasser auch nicht mehr raus, wenn es einmal drinne ist. Ansonsten, gibt es viel Action und Spaß, bei wenig Schlaf und verlorenem Zeitgefühl. Es geht weiter – Serbien wartet. Druschba, Fraundschaft und Sport Frei.

Aber alles wird gut, hell und schön -sagt Vanessa, und ich glaube ihr das mal.

Lutze

PS: Martin der Zolliator aus Carnetistan.

Der siegreiche Zolliator im Kampf mit den Croatitanen

Böse Hobbitze und liebe Golloms

Ungarn, mein Ungarn. Weites Land der vielen Üs und Ös, gewürzt mit Ypsilons und scharfer Paprikapaste. Ungarn, mein Ungarn. Beliebter Alterssitz, gebrechlicher Deutscher und pensionierter Alpenländer. Donau, liebste Donau – du warst osmotischer Strom eines sich organisch einigenden Europas – bis die EU kam. Wieviele Lebensläufe nahmst du in dich auf, wie nun auch die Regentopfen von meiner undichten Regenjacke? Lachend und jauchzend treiben sie nun, diese hydroaffinen Seelen hin zu einem unbekannten, tiefblauen Meer. Molekül für Molekül abgewaschen von meiner Haut, bin ich schon lange auf dem Weg, der mir noch bevorsteht. Gut das Körperzellen nachwachsen.

Sam? / ja Frodo / Sam? / ja Frodo / ähm Sam? / Ach leck mich..!

Die Donau ist ein verdammt fetter Fluß, und lang und kompliziert, wie die Sprachen an seinen Ufern. Selbst hier in Visegrader Land trifft man auf Leute die eine Sprache von vor dreihundert Jahren sprechen, die dem Deutschen ähnelt, mit ein bissel Schwäbisch und Jiddisch drinne. Donauschwaben, Donauschwalben, Donaupappeln, Donauhobbitze und Donaugolloms. Ich habe Lars verboten seine 4/5-Outdoor-Hose  anzuziehen, die Füße wirken zu groß und machen einen zu einem zwergenhaften Gut-Huminiden, wie den Knallkopp Frodo. Parallel dazu haben ich Niels gebeten, sich was anzuziehen, das Toupee zu tragen und zu warten bis der Fisch gekocht ist.

Maiihnnn Schaaaaatzzz!

Wir sind böse, wir haben die Slowakei ausgelassen. Eine Bratislava-Durchfahrt war geplant, ist aber gestrichen, keine Chance wir müssen flitzen. Ausserdem ist ist die Donau auf slowakischer Seite eine Bootsautobahn und auf der ungarischen das genaue Gegenteil.

Fahn, fahn, fahn - auf der Nicht-Autobahn!

Die Gegend um Dunakillitti ist der Hammer. Bienen summen, so dass ein ziemlich betörendes Grundrauschen entsteht, Vögel brüten und dicke Spinnen finden unsere Zelte interessant. Endlich Sonne, die Sachen trocknen, das Rheuma aus den Knochen bretzeln, Wäsche waschen und barfuß laufen. Zwei Tage nur: der Markt, Langosz, Grillenzirpen, Sonnencremé in den brennenden Augen und es wird vorbei sein, mit der Sonne meine ich.

Himmelherrgottnochmalundeinsistdasschön.

Das musikalische Duo "Langosz & Langosz" mit einem Strauß bunter Melodien.

Jetzt gibt es wieder Anschlußregen in Strippenform. Unser Küchenmobil sackt immer weiter in die Wiese ein – und wie das aussieht erzähle ich ein anderes Mal.

Lutze

PS: Die Mannschaft respektiert mich zum Glück…

Respekt muß man sich erarbeiten, aber nicht heute!

… aber Editorin Vanessa ist ja nun da – und Fiete nicht mehr allein im Küchenmobil, in dem jetzt nicht mehr nur Möhren geschnitten werden.

Vanessa kocht ihr eigenes Süppchen

Im Anschlussnebel des Grauens

Irgendwie habe ich es dann doch schon lange vermutet, beim deutschen Fernsehen wird tatsächlich getrickst. Die Variationen des Donauwetters sind unbegrenzt, die Produktionszeit ist es leider nicht, den findigen Filmemacher bringt das jedoch nicht aus der Ruhe. Die Bedeutung zeitlicher Abläufe wird plötzlich relativ, es wird vorher, nachher oder doch später gedreht.

Zwischen den Drehs: Nur Till bleibt still

Vor einer Szene informiert der visionäre Regisseur alle Beteiligten über seine private Logik: „Also, wir drehen jetzt die Einstellung, wie die Protagonisten aufstehen und aus dem Zelt kommen. Heute Abend drehen wir das Ankommen und den Zeltaufbau an dieser Stelle, was im Film ja dann gestern ist. Die Sachen, die wir gestern gemacht haben spielen dann später.“ Aha. Jetzt heißt es scharf nachdenken. Heute Nachmittag werden wir also diesen schönen Platz am Donauufer entdecken und unser Lager aufschlagen. Paradoxerweise sind wir jetzt aber schon genau hier aufgewacht und werden gleich weiter paddeln. So in 2 bis 3 Stunden kommen wir in eine Gegend, die wir gestern schon durchquert haben.
Daraus ergeben sich ja durchaus einige Fragen. Beispielsweise: Was werden wir gestern erlebt haben. Oder: An welcher Stelle werden wir am Vorabend das Zelt aufgebaut haben. Entsprechend spekulativ können dann die Dialoge der Darsteller ausfallen: „Willst du den ungarischen Ziegenkäse zum Frühstück?“ Kurze Pause. „Ach ne, geht ja nicht. Den haben wir ja heute schon zum Abendessen gehabt. Werden.“

Zwischen den Einstellungen muss man ständig die Bekleidung bedenken – auch biophysische Prozesse wie den fortschreitenden Bartwuchs gilt es umzukehren. Aber die Sache hat viel Gutes. Heute Morgen haben wir den ungarischen Akazienhonig zum Anschlusshonig erklärt. Dies bedeutet, dass jetzt nur noch die Darsteller dass flüssige Gold vor der Kamera konsumieren dürfen. Neigt sich das Glas dem Ende zu, fordere ich einfach einen Nachdreh einer früheren Frühstücksszene, dann ist das Honigglas wieder voll. Alles andere wäre absolut unlogisch.

Hat immer die richtigen Klamotten an: Die Flicka

Hat immer die richtigen Klamotten an: Die Flicka

P.S.: Und jetzt kommt was, was Fernsehmacher besonders mögen: Nachrichten an die Lieben daheim. Also: Mutti und Papa, uns geht es gut, viele Grüße von der ungarischen Donau senden eure beiden Lieblingssöhne.

Der Donau-Scheich